Schiffsverkehr auf der Oberweser im Wandel der Zeit
Vom Gütertransport zum Tourismus

 

 

Malerisch schwingt sich die Weser im Bereich der Oberweser an märchenhafte Orte wie unter anderem Hameln, Bodenwerder, Polle, Holzminden, Höxter und Bad Karlshafen vorbei, ist Grenze, Lebensader und Naturschauspiel. Waren es einst Schiffe zu Großvaters - und Großmutters Zeiten, die noch mit Kartoffeln, Korn und vielen anderen Gütern beladen wurden, ist es heute überwiegend die Fahrgastschifffahrt, die Erholungssuchenden wunderschöne Fahrten auf der Weser in schönster Natur  bietet. Allen voran die Schiffe der „Flotte  Weser“.  

Nostalgisches

Beim Recherchieren rund um die Geschichte der Oberweserschifffahrt stießen wir auf den Hafenverein Hameln e. V. Gegründet wurde der Verein am 21. August 2002  auf dem Wohnschiff „Liberty“ im Hamelner Schutzhafen am Senator-Meyer-Weg in Hameln. Sein größtes Anliegen, die Erhaltung des alten Hamelner Schutzhafens, einschließlich der Erhaltung und Pflege der Hochwasserschutzdeiche sowie die Förderung des Umwelt- und Naturschutzes im Hafengelände der Stadt Hameln. Weiterhin hat er sich die Aufgabe gestellt, weite Bevölkerungskreise für die Bedeutung und Notwendigkeit des Gewässer- und Umweltschutzes ganzheitlich zu interessieren. Dazu gehört selbstverständlich auch das Wissen über das Gestern.

Dazu Wissenswertes von Bernhard Mandla - Hafenverein Hameln e. V.

 

Von 1566 bis 1626 bescherte der Handel auf und entlang der Weser den Menschen beträchtlichen Reichtum. Jahre später, im Jahr 1707, wäre die Weser sogar beinahe
Zeuge der weltweit ersten Dampfschifffahrt geworden, hätte nicht die Mündener Schiffergilde nur wenige Meter vor dem Zusammenfluss von Werra und Fulda die Erfindung des Denis Papin, ein durch einen Dampfzylinder angetriebenes Schiff, im Fluss versenkt. Im Jahre 1817 befuhr dann erstmals ein Lastdampfschiff mit Namen „Die Weser“ den gleichnamigen Fluss. 

 

Natürlich wuchs bei den Menschen, die nicht unmittelbar mit der Frachtschifffahrt zu tun hatten, stetig der Wunsch, auch einmal eine Weserschifffahrt zu unternehmen. Darauf mussten sie allerdings noch einige Jahre warten, denn ein regelmäßiger Personendampferverkehr auf der Oberweser, getragen von der 1842 in Hameln gegründeten „Vereinten Weserdampfschifffahrt“, wurde erst im Jahre 1843 mit dem Dampfer „Hermann“ aufgenommen. Später kamen mehrere dampf- und motorgetriebene Passagierschiffe, wie zum Beispiel das Motorschiff „Clara“ oder der Seitenraddampfer „Germania“, hinzu. Dieser Dampfer wurde in Gâche, Paris erbaut und 1844 in den Dienst gestellt. Zulässige Personenzahl: 200 - 300. Er besaß einen Eisenrumpf und wurde im Jahre 1881 nach Berlin verkauft. Schließlich gab es dann doch auf der Oberweser ab 1907 einen Schiffsliniendienst. Zwischen  Hameln und Münden verkehrten mehrere komfortabel ausgestattete Salondampfschiffe der Oberweser-Personen-Dampfschifffahrt. Als letzter wurde 1907 der Dampfer „Kronprinz Wilhelm“ in den Dienst gestellt, der zuvor auf der Elbe als „Meißen“ verkehrt hatte. 

 

 

Senator Friedrich Wilhelm Meyer, Pionier des Tourismus an der Oberweser 

 

Während die gewerbliche Lastschifffahrt auf der Oberweser seit Ende der 1970er Jahre nahezu keine Bedeutung in dieser Region mehr hat, spielt die Personenschifffahrt eine bedeutende Rolle für den touristischen Wirtschaftsbereich.

Heute ist es für jeden Urlauber oder Ausflügler im Weserbergland schon ein absolutes Muss, einmal mit einem Personenschiff den Weserlauf mit seiner einzigartigen Schönheit zu erkunden. Zu verdanken ist dieses touristische Highlight Herrn Senator Friedrich Wilhelm Meyer aus Hameln, der 1883 die Oberweser-Dampfschifffahrt GmbH gründete (Personenschifffahrtsverkehr zwischen Hameln und Hannoversch-Münden).

Damit gelang es dem Privatunternehmer, Hamelner Mühlenbetreiber, der in den Jahren 1873 und 1879 zunächst die Mühle auf dem Werder und dann das Trümmergrundstück der Pfortmühle kaufte, den Ausbau des Tourismus an der Oberweser an den Start zu bringen. Man könnte sogar sagen, Senator Friedrich Wilhelm Meyer war der Pionier des modernen Tourismus. Denn durch ihn wurde den Gästen und Interessierten aus nah und fern das Gebiet Weserbergland zum ersten Mal mithilfe von umfangreicher Werbung über Plakate, Handzettel und Fahrplanbroschüren nähergebracht.

Wenige Jahre später nach Gründung der „Oberweser-Dampfschifffahrt GmbH“ wurde durch ihn im Jahre 1902 der Wesergebirgsverein aus der Taufe gehoben. Damit entstand also der Vorläufer des Fremdenverkehrsverbandes Weserbergland-Mittelweser e.V. Für diesen großartigen Einsatz, der noch heute die Region Oberweser entscheidend prägt, wurde Senator Friedrich Wilhelm Meyer im Jahre 1927 ein Denkmal in Pegestorf im Landkreis Holzminden (der Ort gehört zur Samtgemeinde Bodenwerder-Polle) gesetzt.

Seither ragt die zwölf Meter hohe Gedenksäule auf den Klippen oberhalb der Steinmühle in den Himmel. Der Grundstock, der von diesem engagierten und heimatliebenden Mann gelegt wurde, setzte bis heute Maßstäbe für den hiesigen Tourismus an der Oberweser. Und ihn hätte es sicherlich sehr gefreut, wenn er schon zu Lebzeiten gewusst hätte, dass noch heute unzählige Menschen auf den Schiffen der „Flotte Weser“ die Weser und ihre malerischen Orte am Flussufer mit Freude entdecken.   
 

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Hier die damals wichtigsten Schiffe der Oberweser in einer Übersicht:

„Kronprinz Wilhelm“
Baujahr 1881. Von 1881 - 1907: Dienst auf der Elbe als „Meißen“. Indienststellung in Hameln: 1907. Werft: Blasewitz bei Dresden. Bemerkungen: 1967 ins Schifffahrtsmuseum Bremerhaven überführt (Mittelteil als „Meißen“ ausgestellt.)

„Graf Moltke“
Baujahr 1888. Indienststellung in Hameln: 1906. Werft: Dresden-Uebigau. „Graf Moltke“ musste aufgrund einer Beschlagnahme im Jahre 1942 durch den Mittellandkanal, den Havelkanal, über die Oder, die Warthe und Netze zur Weichsel fahren. Sein Schicksal während des Kriegseinsatzes ist nicht bekannt. Das Schiff ist niemals mehr registriert worden - vermutlich ist es gesunken.

„Fürst Bismarck“
Baujahr 1876/1877; Indienststellung: 1877. Werft: Gebrüder Sachsenberg, Dresden. Bemerkungen: Zugelassen für 300 Personen; 1924 abgewrackt.

„Kaiser Wilhelm“
Baujahr: 1899/1900. Indienststellung: 1900. Werft: Dresdner Maschinenbau- und Schiffswerft AG, Neustadt. Bemerkungen: Ende 1970 Überführung nach Lauenburg/Elbe.
 

 

 

„STÖR“
In diesem Zusammenhang darf man natürlich ein Schiff nicht vergessen, dessen Schicksal noch heute eng mit der Stadt Holzminden verbunden ist: Die „STÖR“!
Das Fahrgast-Motorschiff „STÖR“ wurde im Jahre 1937 auf der „Oberweserwerft“ im Hamelner Schutzhafen erbaut und erlebte am 27. April 1937 als seither größtes Schiff dieser Werft seinen Stapellauf. Seine Abmessungen sind typisch für ein Flussschiff: Bei einer Länge von 39,26 Metern und einer Breite von 5,19 Metern hatte es auch voll beladen nur einen Tiefgang von 79 Zentimetern. Das Schiff verfügte über zwei Dieselmotoren mit je 120 PS und war für 385 Passagiere zugelassen. Es wurde 1985 außer Dienst gestellt und steht noch heute in Holzminden (Freibadgelände an der Weserbrücke) an Land.

 

Fahrgastschifffahrt mit der      "Flotte Weser"

2014