Visionär der ersten Stunde – „Pioniertat“ in Allersheim 

 

Eine Marktlücke im Jahr 1854: Otto Baumgarten braut Allersheimer Lagerbier 

 

 

Als Pächter der Domäne Allersheim suchte Otto Baumgarten nach einem zweiten Standbein. Ackerbau und Viehzucht waren längst nicht mehr einträglich genug. Der Abbruch des Holzmindener Brauhauses Anfang der 50er Jahre und die Aufgabe des Braurechts durch viele berechtigte Bürger gaben den Anstoß zur Gründung einerhistorie Spezialbrauerei Nahe Holzminden. Während anderswo Brennereien und Zuckerfabriken gegründet wurden, entschloss sich der Visionär zur Errichtung einer Brauerei in Allersheim. Eine echte Marktlücke – wie sich noch herausstellen sollte. In der Holzmindener Stadtchronik wird die Gründung einer heimischen Brauerei allerdings schon damals als „Pioniertat“ bezeichnet. Zunächst knüpfte Otto Baumgarten an die Produktion von obergärigem Süßbier an, änderte dann aber die Herstellung von Grund auf. Dank seiner Kenntnisse, die er sich in Bayern sowohl in der Praxis als auch an der Hochschule erworben hatte, führte er das sogenannte „Allersheimer Lagerbier“ ein, das sich einer wachsenden Beliebtheit erfreute. Das erstklassige Wasser aus dem Solling, das noch heute zum Brauen unserer Allersheimer Biere verwendet wird, kam ihm schon damals dabei zugute. Während bei der Eröffnung der Brauerei noch mit der Hand gemaischt wurde, beschaffte man bereits einige Jahre später Sudzeug mit Dampfbetrieb. Die Rohstoffe zur Herstellung des Bieres, Gerste und Hopfen, wurden auf dem Land der Domäne angebaut und geerntet. Die gute Qualität der Allersheimer Biere führte schnell zu einer erhöhten Nachfrage und gesteigertem Absatz. Die Konsequenz lag klar auf der Hand: Die Betriebsanlagen mussten erweitert werden. Damals wie heute ging das Unternehmen mit der Zeit und so wurde 1870 / 71 nach Beendigung des Krieges doppeltes Sudzeug mit entsprechender Dampfmaschine und Kessel angeschafft. Da der Absatz auf 9000 Hektoliter jährlich anstieg - heute beträgt die jährliche Produktion 120 000 Hektoliter – war auch die Erweiterung der Gär- und Lagerkellers unerlässlich. Otto Baumgarten verstarb 1887. Gemeinsam mit ihren volljährigen Kindern führte seine Witwe Anna die Brauerei aus dem Rahmen eines landwirtschaftlichen Nebenbetriebes hin zu einem selbständigen Unternehmen, sah sich aber nicht mehr in der Lage die Domäne Allersheim aufrecht zu erhalten und zu bewirtschaften. Im Zuge des technischen Fortschritts führt Anna Baumgarten in den Jahren 1891 und 1892 neue Kühlanlagen ein und vergrößert die Transportmöglichkeiten durch den Einsatz weiterer Gespanne. 

 

Frischer Unternehmensgeist und Pilsener Bitterbier
Carl Scheidemann führt Baumgarten`s Brauerei ins 20. Jahrhundert 

 

Carl Scheidemann bewarb sich 1891 um die Domänenpachtung. Der 29jährige Mann aus Lutterberg hatte sofort guten Kontakt zur Familie Baumgarten, gab manchen wichtigen Rat und war deshalb häufig gern gesehener Gast der Familie. Noch im selben Jahr verpflichtet er sich, als Mitgesellschafter der damaligen Handelsgesellschaft der Baumgarten’s Brauerei Allersheim ab 1893 einzutreten. Nachdem er 1892 die Pachtung der Domäne Allersheim übernommen hat, wird Amtmann Carl Scheidemann 1893 zum Geschäftsführer der Brauerei Allersheim gewählt. Mit dem neuen Teilhaber und Ehemann von Baumgartens zweitjüngster Tochter Anna-Else, weht frischer Unternehmergeist in Allersheim: Das Brauen von Süßbier wird 1895 eingestellt, das Vertriebsnetz erweitert. So entstanden im neuen Geschäftsjahr neun auswärtige Niederlassungen, die mit Eiskellern ausgestattet wurden. 17 Pferde übernahmen den Transport des Bieres. 1898 warb die Brauerei Allersheim im Kreisblatt Holzminden mit einem Pilsener Bitterbier. Bereits um die Jahrhundertwende betrug die jährliche Bierproduktion mehr als 20 000 Hektoliter. Die Allersheimer Qualitätsbiere hatten sich im Umkreis von Holzminden durchgesetzt. Um der stetig steigenden Nachfrage gerecht zu werden, entschied sich Carl Scheidemann zu einem völligen Um- und Neubau der Brauerei und so eine Kapazität von rund 40 000 Hektolitern geschaffen. Doch auch konkurrierende Brauereien waren bemüht, ihren jährlichen Bierausstoß zu steigern und Carl Scheidemann hatte mit gewaltigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Investitionen und Verkaufszahlen standen in keinem Verhältnis mehr. Ungeachtet dieser enormen Belastungen feiert die Familie Baumgarten 1904 das 50-jährige Bestehen der Brauerei. In diesem Jahr geht es wieder aufwärts. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 1903 / 04 weisen einen akzeptablen Gewinn auf. Das Größenwachstum und die Entwicklung der Gesellschafterverhältnisse ließen es angezeigt erscheinen, die Firma, die seit den achtziger Jahren als oHG betrieben worden war, im Jahr 1906 in eine GmbH umzuwandeln. Doch die Konkurrenz schlief nicht: So bot die benachbarte Brauerei Hodapp in Holzminden Bier mit einem höheren Extraktgehalt an. Ein Streit der beiden Brauereien endete vor dem herzoglichen Landgericht mit einem Vergleich. 1911 wurden auch Mineralwässer und verschiedene alkoholfreie Getränke in die Herstellung der Brauerei aufgenommen. Der erste Weltkrieg 1914 / 1918 und die Inflation gingen auch an der Brauerei Allerheim nicht spurlos vorbei. Pferde, Transportwagen und Mitarbeiter wurden einberufen und die Malzmenge zur Bierherstellung nur in geringer Menge zugeteilt. Doch das im Grunde „kerngesunde“ Unternehmen überstand auch diese Krise ohne größere Einbußen. 1925 lief der Pachtvertrag für die Domäne Allersheim aus und konnte nicht verlängert werden. 93 Jahre waren die Familien Baumgarten und Scheidemann Pächter der Domäne gewesen. Carl Scheidemann konzentrierte sich nun ausschließlich auf die Brauerei. Ein Darlehen von 200 000 Reichsmark zu einem günstigen Zinssatz machte es möglich, dass die Brauerei ihren Bierausstoß enorm steigern konnte und neue Anschaffungen notwendig wurden. 1926 verstarb Anna Baumgarten mit 84 Jahren. Carl Scheidemann und seine Frau Anna-Else erwarben käuflich von allen Erben deren Geschäftsanteile an der Brauerei. Von nun an galt die Devise: Macht die Brauerei stark! 1928 ging die Brauerei Hodapp in Holzminden in Konkurs. Zunächst wurde sie Eigentum der Stadt Holzminden. Nach mehreren Versuchen der Stadt die Brauerei wieder zu verkaufen, wurde sie von der Brauerei Allersheim erworben. Die wirtschaftlichste Lösung war: Hodapp still zu legen. Den größten Teil der Arbeitskräfte übernahm Allersheim. Dank der sparsamen und fortschrittlichen Firmenpolitik Carl Scheidemanns ging es in der Brauerei stetig aufwärts. Das Einzugsgebiet vergrößerte sich, das Netz wurde mit weiteren Niederlassungen ausgebaut, moderne Brautechnik wurde eingeführt und neben einem Fuhrpark mit 40 Pferden wurden auch die ersten Lastkraftwagen angeschafft. Höhepunkt dieser Entwicklung war ein Bierausstoß von etwa 40 000 Hektolitern in den Jahren um 1940. 

 

DIE 3. GENERATION - WALTER BERNS LEITET DIE GESCHICKE IN ALLERSHEIM 

Bierersatz“ und Währungsreform: Die Brauerei Allersheim in Kriegszeiten

Walter Bern, seit 1927 mit der zweiten Tochter von Carl und Else Scheidemann verheiratet, kehrte im Herbst 1940 nach einem Jahr Militärdienst wieder zurück und konnte die Tätigkeit in der Brauerei Allersheim wieder aufnehmen. Ihm gelang es, das Unternehmen durch die  Widrigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit zu lenken. 1942 legt Carl Scheidemann seine Ämter als Geschäfts- und Betriebsführer nieder. Sein Schwiegersohn, Walter Berns, wird einstimmig als Nachfolger in sein Amt gewählt. Nach dem verlorenen Krieg wurde 1945 von den Siegermächten ein sofortiges Verbot zur Herstellung alkoholischer Getränke erlassen. Danach durfte die Brauerei Allersheim eine Art „Bierersatz“ aus Molke mit Hopfengemisch brauen. Mit der Währungsreform begann ein neues Kapitel der Firmenentwicklung, die durch finanzielle Stabilität, stetiges Wachstum und hohen Qualitätsstandart gekennzeichnet war. Mit Tatendrang wurden die Übergangsprobleme in die Hand genommen. Zur Stammbelegschaft zählten nach Ende des Krieges neue Mitarbeiter aus Schlesien und Mitteldeutschland. 1948, am Tag der Währungsreform starb Carl Scheidemann im Alter von 86 Jahren. Die Brauerei wurde jetzt durch die dritte Generation des Firmengründers repräsentiert, der 1954 das 100jährige Bestehen der Brauerei Allersheim feiern konnte.
1967 beginnt eine neue Ära für Baumgarten`s Brauerei Allersheim
Erstmals übernimmt ein angestellter Geschäftsführer die Geschäfte der Brauerei

Mit Walter Berns endet die Periode, in der die Geschäftsführer der Brauerei Allersheim aus der Familie Otto Baumgartens stammten. Nach 40 Jahren Betriebszugehörigkeit, von denen Walter Berns das Unternehmen 25 Jahre als Geschäftsführer geleitet hat, bittet er um seinen Abschied. Damit beginnt für Baumgarten‘s Brauerei Allersheim eine neue Ära. Dr. Rudolf Weisbrod übernimmt als erster Geschäftsführer, der nicht der Familie angehört, die Leitung des Unternehmens. 1970 erfolgt eine weitere wesentliche Änderung der Gesellschafterstruktur: 37 % der Geschäftsanteile gehen an die Dortmunder-Actien-Brauerei. Gegen zahlreiche Mitbewerber gelang es der Geschäftsführung unter Walter Hopf 1978 die Hamelner Brauerei Förster und Brecke zu erwerben, was einen bedeutend höheren Bierausstoß zur Folge hatte. 1992 übernimmt Hans Jürgen Breuer die Unternehmensspitze in Allersheim und wird 2003 von Rainer Stranz aus Dortmund abgelöst. Im Juni 2014 tritt Diplom-Kaufmann Dirk Brüninghaus als Geschäftsführer die Nachfolge von Rainer Stranz an. Sein Ziel: das Unternehmen traditionsbewusst weiterführen und gleichzeitig für die Zukunft zu rüsten! 

 

© 2013 Brauerei Allersheim

Video: BRAUEREI ALLERSHEIM FEIERT DEN TAG DES BIERES 2015  

 

 Video: Produktion/Schnitt © dieaktuellekamera.de - Kamera: G. Wackernagel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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